Biofeedback

Biofeedback ist eine wissenschaftlich fundierte Methode, die durch eine Vielzahl an medizinischen Publikationen belegt ist.

Der Begriff "Biofeedback" bezieht sich auf die Rückmeldung körperlicher Prozesse, die normalerweise immer ablaufen und reguliert werden. Diese Prozesse sind von uns nicht immer bewusst wahrnehmbar. Unser Herz schlägt in Ruhe 60- 80-mal / Minute. Diesen Vorgang bewältigt unser Herz ganz alleine, ohne dass wir uns ständig daran erinnern müssen, unser Herz schlagen zu lassen. Wenn wir körperlichen Anstrengungen, oder auch Stress ausgesetzt sind nimmt unsere Herzrate deutlich zu, ohne dass wir uns bewusst darum kümmern müssen. An diesen körperlichen Prozessen sind auch die Muskeln, Schweißdrüsen, Atmung und unser Hirn beteiligt. Wenn wir uns gestresst fühlen, sind wir unbewusst auch körperlich angespannt. Ein hoher Muskeltonus kann z. B. zu Schmerzen führen. Eine unbewusste, unkontrollierte und schnelle Atmung kann zu  Herzrasen, Hyperventilation und Angstsymptomen bei der betroffenen Person führen. So kann ein krankmachender Kreislauf entstehen.

Durch das direkte audio-visuelle (Darstellung am Bildschirm) Feedback (Rückkopplung), können wir lernen körperliche Prozesse wie z. B. Atmung und Muskeltonus bewusst zu steuern, sodass nach ca. 5 bis 8 Biofeedbacksitzungen, die Möglichkeit besteht, die rückgemeldeten Körperprozesse ohne zusätzliche Geräte zu regulieren.  Diese Selbstregulation psychischer und physischer Prozesse kann in vielen Fällen ein wichtiger Bestandteil zur Lösung gesundheitlicher Probleme sein.

Eigene Erfahrungen

Im Rahmen eines stationären Aufenthaltes bezüglich meiner chronischen Migräneattacken, habe ich zweimal wöchentlich an Biofeedbacksitzungen teilgenommen. Erst war ich etwas voreingenommen, jedoch stellte ich schnell fest, dass es mir möglich ist meine Körper- bzw. Muskelspannung selber zu überprüfen und zu kontrollieren. Durch das direkte visuelle Feedback über den Bildschirm, habe ich gelernt unbewusst ablaufende Prozesse genauer zu beobachten und zu regulieren. Wenn ich mich nun nach meinem stationären Krankenhausaufenthalt selbst beobachtet und überprüft habe, stellte ich immer wieder fest, wie z. B. ich mit hochgezogenen Schultern, im Auto am Steuer saß und mich wunderte warum ich schon wieder so verspannt bin. Mehrmalig am Tag habe ich mich selbst überprüft und konnte bewusst dafür sorgen, dass ich meine Muskelspannung löse. Dadurch konnte ich vor allem Nacken- und Spannungskopfschmerzen regulieren.

Therapeutische Anwendungsbereiche

Therapieunterstützend kann sich Biofeedback in folgenden Bereichen günstig auf den physischen und psychischen Gesundheitszustand auswirken:

  • Angststörungen, Panikattacken, Phobien
  • Unruhe, Schlafstörungen
  • Erschöpfung, Burnout
  • Niedergeschlagenheit, Depressionen
  • Hyperaktivitäts-Syndromen und Aufmerksamkeitsstörungen
  • traumatischen Erfahrungen, posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)
  • Unterstützung bei der Therapie von psychosomatischen Störungen
  • psychisch bedingten Herzproblemen
  • stressbedingtem Bluthochdruck (essentielle Hypertonie)
  • Atemtraining, Stressmanagement, mentales Training und Entspannungstraining
  • stressbedingten Spannungskopfschmerzen und Migräne

Was wird beim Biofeedback gemessen?

Mit Hilfe von Biofeedback lernen wir also die bewusste Kontrolle von Körperfunktionen, die eigentlich unbewusst ablaufen. 

Mit drei Fingersensoren messen wir Ihren:

  • elektrischen Hautleitwert (SCL = skin conductance level)
  • Herzrhythmus
  • Herzrhythmusvariabilität (HRV)
  • Ausmaß der Herzkohärenz

Diese physiologischen Parameter stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit Stress, Aufmerksamkeit und Entspannung.

 

Warum messen wir den Hautleitwert?

Sobald wir uns entspannen, produzieren unsere Schweißdrüsen weniger Schweiß, die Haut wird trockener und leitet daher elektrischen Strom schlechter. Über den elektrischen Widerstand bzw. die elektrische Leitfähigkeit der Haut können demnach Veränderungen im Entspannungszustand gemessen werden.

 

Was ist Herzrhythmusvariabilität (HRV)?

Bei Gesunden schlägt das Herz nicht regelmäßig wie ein Uhrwerk, sondern der Abstand zwischen zwei Herzschlägen ändert sich ständig.

 

EKG eines Gesunden. Deutlich zu sehen sind die unterschiedlichen Abstände zwischen den Herzschlägen.

 

Diese scheinbare Unregelmäßigkeit ist bei Gesunden kein Ausdruck von Herzrhythmusstörungen, sondern die Folge einer gut funktionierenden Anpassung der Herzfrequenz an aktuelle Herz-Kreislauf-Bedingungen. Am Zustandekommen der HRV sind verschiedene Organsysteme beteiligt, wie z.B. das Herz, das vegetative Nervensystem und das Blutgefäßsystem. Aus diesem Grund

bilden sich Störungen in verschiedenen Organsystemen als Störungen der HRV ab. Die HRV kann man deshalb als Globalindikator für psycho-neuro-kardiale Prozesse auffassen.

 

Was ist die Herzkohärenz?

Herzkohärenz, der Schlüssel zum limbischen System und zu verbesserten Körperfunktionen

Das limbische System lässt sich über körperliche Maßnahmen am besten und am einfachsten erreichen. Eine anerkannte Methode ist Herzkohärenz. Mit dem HRV-Biofeedback-System lassen sich zwei charakteristische Arten von Herzschlagschwankungen erkennen: Chaos und Kohärenz.

 

 Das Diagramm zeigt, wie sich mittels Herzkohärenz-Training der ungeordnete, schnelle Herzschlag während der Stressbelastung in ein geordneten, mit der Atmung im Gleichklang schwingenden Verlauf überführen lässt. Dies ist Ausdruck der Aktivierung der „inneren Bremse“ des Parasympathikus (Gegenspieler).

 

Bei Stresszuständen, Angst, Depression oder Ärger wird der Rhythmus des Pulses ungleichmäßig, bzw. chaotisch. HRV-Biofeedback in Verbindung mit positiven Emotionen führen zur Synchronisation innerer Rhythmen, wie Atmung und Herzschlag. Ergebnis ist ein regelmäßiger Wechsel zwischen Beschleunigung und Bremsen des Herzschlages. Dieser Zustand wird Herzkohärenz genannt. Tägliches Herzkohärenztraining beeinflusst die Körperphysiologie positiv.

Ablauf einer Biofeedbacksitzung

Nach einem ausführlichen Vorgespräch, bei welchem Sie mir Ihre Beschwerden schildern können, entscheiden wir gemeinsam, ob die Biofeedbackbehandlung eher im Vordergrund der Therapie mit 5 bis 8 Sitzungen steht, oder ergänzend im Rahmen einer Gesamtbehandlung mit 3 bis 5 Sitzungen. Sie nehmen in einem bequemen Stuhl vor einem Patienten-Monitor Platz und werden von mir mit drei Fingersensoren zur Messung des Hautleitwertes und des Herzrhythmus ausgestattet. Anschließend starte ich das Training welches am besten zu Ihrer Indikation / Symptomatik passt. Je nach Auswahl des Biofeedbacktraining gebe ich Ihnen begleitend weitere Informationen. Nach der Trainingseinheit werde ich die Sensoren entfernen. Im Anschluss besprechen wir gemeinsam die Ergebnisse Ihrer Trainingssitzung und wie Sie das Gelernte in den Alltag übertragen können.